Guasmo ist ein Slum in der wohlhabenden Hafenstadt Guayaquil in Ecuador, in dem etwa eine Million Menschen leben. Obwohl sie direkt am Wasser leben, haben sie keinen Zugang zu sauberem Wasser – ein Paradox, das sie mit Millionen von Menschen auf der ganzen Welt teilen. Der Zugang zu sauberem Wasser ist, ähnlich wie das Leben in einer Demokratie, für viele Menschen zu einer fernen Hoffnung geworden. Was für die einen selbstverständlich zum Alltag gehört, bleibt für andere ein Traum; was einige im Überfluss besitzen, fehlt anderen.
Die Installation Guasmo untersucht diesen Gegensatz zwischen Überfluss und Mangel, indem sie die Umgebung eines Slums nachbildet, der knapp über der Wasserlinie liegt. Die Besucher werden Teil der Installation, sobald sie den Raum betreten. Bevor sie die stilisierten Baracken betreten, tauschen sie ihre Schuhe gegen Plastik-Badeschuhe oder Gummistiefel und versetzen sich dadurch körperlich in die von der Arbeit dargestellten Lebensbedingungen.
Die Installation besteht aus sieben begehbaren Baracken mit einer Grundfläche von jeweils etwa 6 × 6 Metern und einer Höhe von 2,7 Metern. Ihre Bauweise orientiert sich an den einfachen Konstruktionen in Slums und verwendet Holzbretter, Pappe und Blechdächer, ohne Abwassersystem. Die Baracken sind durch einfache Stege miteinander verbunden und stehen knapp über der Wasserlinie eines künstlichen Gewässers. Am Eingang befeuchtet ein Wassertropfsystem den Bereich und erzeugt den charakteristischen feucht-modrigen Geruch solcher Orte.
Im Inneren befindet sich hinter Plexiglas oder Glas ein Altar mit Gegenständen, die mit dem Verbrauch von Wasser verbunden sind, darunter eine Badewanne, eine Dusche, eine Toilette und ein Urinal. Als Luxusgüter präsentiert, verdeutlichen diese alltäglichen Gegenstände den Gegensatz zwischen Menschen, für die Wasser selbstverständlich verfügbar ist, und jenen, für die der Zugang zu sauberem Wasser unsicher bleibt. Auf diese Weise thematisiert die Installation das Verhältnis zwischen menschlichen Grundbedürfnissen, Umweltbedingungen, Überfluss und Mangel.
Die soziale Realität hinter der Installation ist ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. Guasmo ist von großer wirtschaftlicher Not, Gewalt, schlechten hygienischen Bedingungen und einem sehr eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung geprägt. In der ursprünglichen Projektdokumentation wird außerdem angegeben, dass etwa 70 % der Bevölkerung Analphabeten sind und dass die große Zahl der dort lebenden Wähler wiederholt von Politikern ausgenutzt wurde. Gleichzeitig gibt es lokale Initiativen, darunter die Frauengruppe „Ni esclava ni Puta“, die sich für die Rechte von Frauen einsetzt.
Das Projekt wurde durch Skizzen, architektonische Planungen und die Beratung von Statikern entwickelt. Seine Umsetzung sollte durch Film und Fotografie dokumentiert werden. Guasmo nutzt letztlich die Sprache der Installationskunst, um den Gegensatz zwischen Privileg und Entbehrung körperlich erfahrbar zu machen und den ungleichen Zugang zu etwas so Grundlegendem wie sauberem Wasser in eine Erfahrung von Raum, Umwelt und menschlicher Existenz zu verwandeln.